Forschungsprojekt „Erler Wind“

Aussicht über Tal

Messungen des Windphänomens im Inntal

Die geografische Situation des nördlichen Inntals ruft ein besonderes Wetterphänomen, den Erler Wind, hervor. Hier, im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol, verengt sich das Tal sehr stark zwischen den Bergketten Mangfallgebirge mit Wendelstein und Chiemgauer Alpen mit Kranzhorn. Temperaturunterschiede zwischen den sich erwärmenden bzw. abkühlenden Berghängen und der Rosenheimer Ebene führen zu starken Talwinden. Dabei dreht sich während des Tages die Windrichtung: am Vormittag verläuft der Wind talauswärts (nördlich) am Nachmittag taleinwärts, was auf die sich verändernden Temperaturunterschiede zurückzuführen ist.

Trotz des grundlegenden Verständnisses fehlen Langzeitmessungen, um den Erler Wind in Punkto Auftreten, Dauer und Windgeschwindigkeiten detailliert zu verstehen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wird deshalb dieses Windphänomen durch eine Kooperation der ezro, FH Kufstein und TH Rosenheim mittels Langzeitmessungen systematisch untersucht.

Die FH Kufstein hat im Sommer 2020 ihre zweijährige Messkampagne im Grenzgebiet abgeschlossen und analysiert aktuell die Messdaten.

Das INNTERREG-Kleinprojekt „Lidar Windmessung Nussdorf – Erl“ durchgeführt in Kooperation durch die TH Rosenheim und FH Kufstein zwischen Juni 2020 und 2021, verspricht zudem vertiefte Kenntnisse über die Höhenentwicklung des Erler Windes zu erhalten. Durch die Finanzierung ist die Vermessung des Windfeldes durch ein Lidar-System in weit größeren Höhen möglich, als dies ein Messmast zulässt. So können Windgeschwindigkeit- als auch richtung in Höhen bis 200 m an zwei Standorten, einmal auf tiroler und einmal auf bayrischer Seite gemessen werden.

Im Herbst 2020 wurde die eigens entwickelte, energieautarke Meteorologiestation der TH Rosenheim in Steinach bei Nussdorf, nahe der Grenze zu Tirol, aufgestellt. Diese sammelt nun für die nächsten zwei Jahre relevante Klimadaten und überträgt diese in Echtzeit zur Auswertung an die TH Rosenheim. Durch die Messung weiterer Parameter als nur der Windgeschwindigkeit und Windrichtung, sollen auch komplexere Zusammenhänge analysiert werden können, wie etwa der Zusammenhang zwischen Einstrahlung und hoher Windgeschwindigkeit. „Unser Ziel ist, mit den Daten der Messstation ein genaueres Bild des Erler Winds zu erhalten und darauf aufbauend mittels einer großräumigen Simulation das Phänomen im gesamten Inntal beschreiben zu können“, erläutert Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Frank Buttinger. Dieser Windatlas könne als Grundlage für eine Bewertung dienen, ob und an welchen Standorten sich Kleinwindkraftanlagen im Inntal rechnen.

Sofern genehmigt, soll eine weitere Station im Inntal aufgebaut werden, um das Windverhalten im gesamten Tal genauer analysieren und detailliert verstehen zu können.

Die ersten Zwischenergebnisse werden im Herbst 2021 erwartet.

Die Forschungsgruppe bedankt sich dabei für die Unterstützung durch das Interreg Förderprogramm V-A Österreich-Bayern und die gute und nette Zusammenarbeit mit der Energieinitiative ezro, dem Landratsamt Rosenheim und dem Eigentümer des Standortes.

Projektleitung und Rückfragen bitte an: Prof. Dr.-Ing. Frank Buttinger